Vereinsgeschichte

60 Jahre Jodelklub Gommiswald
Geschichte von der Gründung bis 1925
Nur eine halbe Seite lang ist das Gründungsversammlungsprotokoll des Jodelklub Gommiswald. Gemäss diesem trafen sich am Sonntag 10. Januar 1965 8 Gründungsmitglieder im Adler nach dem Hauptgottesdienst zur Gründung eines Vereins für den Jodelgesang. Es wurde ein Präsident, ein Aktuar und ein Kassier bestimmt. Statuten gab es noch keine, dennoch wurde der Verein als gegründet betrachtet. Die Statuten wurden erst an der ausserordentlichen Versammlung vom 21. August 1965 an die Hand genommen.
Die Wahl eines Dirigenten, die auch später noch zu etlichem Rumoren im Verein führte, konnte nicht vorgenommen werden. Dazu heisst es ist Protokoll: „Die vorgesehene Wahl eines Dirigenten konnte nicht erledigt werden. Eine Nomination aus hiesiger Gemeinde fand nicht genügend Anklang. Der Verein ist noch nicht genügend gefestigt, um den Stürmen aus Familienpolitik und ähnlicher Differenzen gewachsen zu sein. Die Kommission wurde beauftragt einen Dirigenten zu suchen.“ Die Aktivmitglieder hatten einen Monatsbeitrag von Fr. 3.- zu entrichten.
Bis Oktober 1965 behalf man sich beim Dirigenten mit den Lehrern Anton Hofstetter (Kaltbrunn) und Alphons Schildknecht (Gommiswald). Dann übernahm Niklaus Jud diesen Posten. Bei der Gründungsversammlung hatte er gemäss Protokoll noch „nicht genügend Anklang gefunden“.
Die erste Jahresversammlung des Jodelklub Gommiswald mit bereits 16 Mitgliedern fand wieder an einem Sonntag, dem 13. Februar 1966 statt; sie hätte offenbar früher stattgefunden, musste aber aufgrund des vorherigen Versammlungsverbotes wegen der grassierenden Maul- und Klauenseuche vorerst verschoben werden. Der Dirigent, der nur mit Fr. 5.- pro Probe entschädigt wurde, beklagte sich über den schlechten Probenbesuch. Offenbar herrschte auch ein Gerangel darüber, wer bei den Auftritten des Jodelklubs jodeln durfte. Jedenfalls wurde klargestellt, dass dies vom Dirigenten zu bestimmen sei.
Anlässlich der zweiten Jahresversammlung vom 25. Februar 1967 betrug das Vereinsvermögen Fr. 1'024.80. Von den beiden Jodlerinnen, den Geschwistern Olga und Päuli Kaufmann, kündigt erstere den Austritt an. Ihre Schwester Päuli blieb dem Jodelklub bis 1993 treu und prägte so nachhaltig das Klangbild des Chors. Die beiden traten später noch als Duett auf.
Im Frühling 1967 trat der Dirigent Niklaus Jud nach nur gut einem Jahr aus dem Verein aus. Ihm folgten im Herbst 1967 vier weitere Mitglieder.
Im Frühling 1967 ging im alten Treubund-Saal das erste Jodlerchränzli mit Theater und Tanz erfolgreich über die Bühne. Bekannt ist, dass damals u.a. das erste gelernte Lied überhaupt, die „Bergarve“ (H.W. Schneller) und das Theater „Geld regiert d’Welt“ aufgeführt wurden.
Im Herbst 1967 wurde an einer Jodlerprobe beschlossen, eine eigene „Gommiswalder Tracht“ zu kreieren und zu beschaffen. Sie bestand aus einem grünen „Mutz“ analog dem klassischen schwarzen Berner Mutz als Oberteil sowie schwarzen Hosen, einem Krawattenknopf und dem klassischen Jodlerhut. Als Stickerei wurde die Orchidee Frauenschüehli anstelle des klassischen Edelweisses in den Berner Mutzen angebracht. Die Tracht wurde von einer Schneiderei im Rheintal angefertigt, und die Toggenburgerin Alice Forster brachte die wunderschönen Stickereien an. Die Kosten lagen nach vager Erinnerung des damaligen Kassiers bei rund 300 Franken pro Tracht. Weil der Verein offensichtlich breite Unterstützung genoss und auch am Unterhaltungsabend gut gewirtschaftet hatte, wurden trotz dieser Anschaffung die flüssigen Mittel des Vereins im Jahr 1968 nicht vermindert. Der Beschaffungsentscheid war aber wirtschaftlich dennoch sehr mutig, wenn nicht gar riskant, denn der Verein hatte 1967 nur gerade ein Vermögen von rund 1'350 Franken! Die Tracht war bis 1993 im Einsatz.
Im Jahr 1969 liess die damalige Jodlerin Päuli Bernet auf eigene Rechnung auch eine Frauentracht als neue „Gommiswalder Tracht“ anfertigen; der Verein steuerte einen kleinen Beitrag an die Kosten. Die das sehr schöne Werk wurde aber nie als offizielle Tracht von Gommiswald anerkannt; ob Anstrengungen in diese Richtung liefen, ist nicht bekannt.
Einige Aufregung gab es an der Hauptversammlung vom Frühjahr 1970. „Überraschend“ gab der Kassier Bruno Bernet seinen Rücktritt von diesem Amt, „noch überraschender“ Karl Kaufmann als Präsident; beide waren seit der Vereinsgründung auf ihren Posten. Dass dann wegen einer ziemlich ungeschickten Bemerkung eines Vereinskollegen auch noch der Aktuar Max Zürcher am Folgetag den Bettel hinwarf und sogar aus dem Verein austrat, erforderte dann doch einiges an Krisenmanagement. Der Sitz des Präsidenten und jener des Kassiers konnte noch an der Versammlung mit Paul Thoma bzw. Josef Lagler besetzt werden. Für den Aktuar trat offenbar Jakob Villiger ziemlich formlos in die Stapfen seines Vorgängers, seine Wahl ist nicht protokolliert.
Erstmals in der Vereinsgeschichte ging der Jodelklub Gommiswald im Juni 1970 an ein Nordostschweizerisches Jodlerfest (Amriswil) und beteiligt sich mit einem Alphüttli unter dem Motto „am Regulastei“ auch am Umzug. Der Liedervortrag „In Berge höch“ wurde mit der Note „gut“ bewertet. Trotz dieses Erfolgs, der eigentlich zur Teilnahme am darauffolgenden „Eidgenössischen“ in Freiburg berechtigt hätte, traut sich der junge Verein diesen Schritt noch nicht zu. Später wurde dann an der Hauptversammlung 1975 „mit grosser Mehrheit“ die Teilnahme am eidgenössischen Jodlerfest 1975 in Aarau beschlossen. Warum der Klub dann trotzdem nicht an dieses Fest ging, ist aus den Protokollen nicht ersichtlich. Die Qualifikation dafür hatte sich der Verein zuvor 1974 am „Nordostschweizerischen“ in Schaffhausen geholt.
Die erste Teilnahme an einem „Eidgenössischen“ erfolgte dann erst im 13. Vereinsjahr, nämlich im Juni 1978 in Schwyz. Der Vortrag „Mir Lüt vom Schwyzerland“ brachte die Note 2 („gut“) ein. Der Entscheid zur Teilnahme war ziemlich umstritten und kam erst nach einem Rückkommensantrag eines Jodlers an der Hauptversammlung 1978 mit 9 zu 5 Stimmen zustande, „nach langer und zum Teil heftiger Diskussion“. Die Erwartungen aus dem ersten Auftritt an einem eidgenössischen Jodlerfest waren offensichtlich nicht einheitlich Im Protokoll heisst es dazu: „Kurz vor Mitternacht mussten wir uns einer strengen Juri zum Vortrag stellen. Leider gelang es uns nicht, in die höchste Klasse aufzusteigen und wir mussten uns mit der Note 2 zufriedengeben. Trotzdem würdigte der Präsident das erreichte Resultat als sehr gut, wenn man bedenkt, dass sich unser Verein zum ersten Mal einer eidgenössischen Juri stellte.“ Einhellige Freude löste aber der herzliche Empfang durch die Dorfvereine bei der Rückkehr aus, der im Protokoll sogar als „triumphal“ bezeichnet wurde. Etwas eigenartig liest sich dann über ein Jahr später ein Protokolleintrag, gemäss welchem der Aktuar „seinen mit etwelcher Kritik gespickten Bericht vorm Eidgenössischen Jodlerfest in Schwyz verlas“.
Weil der alte Treubund-Saal abgerissen bzw. in der neuen Ausführung nicht mehr für das Chränzli verwendet werden konnte und (mindestens) ein im Sternen-Saal abgehaltenes Chränzli unbefriedigend verlief, mussten die Jodlerchränzli mehrere Jahre – erstmals vermutlich 1971 und dann bis 1979 – in den Ochsen in Uznach „ausgelagert“ werden. Das war für die Verankerung des Vereins im Dorf sicher nicht förderlich.
1974 hatte der Jodelklub 77 Passivmitglieder, „was eine ansehnliche Zahl sei“. Der Passivbeitrag betrug Fr. 5.-.
1975 konnten im nun 10-jährigen Jodelklub 6 Mitglieder ebenfalls das 10-Jahresjubiläum feiern.
1975 gab es einen zweitägigen Jodlerausflug nach Täsch, wo der Jodlerklub offiziell bei der Ankunft der Tour de Suisse eingeladen wurde. In grosser Begeisterung berichtet der Präsident: „Diese beiden Tage von Täsch sind für uns kaum mehr zu vergessen. Ja es kam dort so weit, dass Gommiswalder Jodler dem Strassenkönig Eddy Mercks von Belgien persönlich die Schultern klopften!“
1975 organisierte der Jodelklub erstmals ein Jodlertreffen auf dem Rämel und wurde dabei offenbar rabenschwarz vom Wetterpech verfolgt.
Der Jodelklub lebte nicht nur vom Singen und von Gönnern, sondern sicherte sich seine finanzielle Basis in den 70-er Jahren auch durch die Parkplatzorganisation bei einer mehrmals in Gommiswald stattfindenden Motocrossveranstaltung. Dort hörte man wohl nicht mehr viel vom Jodeln. Zuvor hatte er schon 1969 einen Verbandsschwingertag organisiert. Auch Lottomatche gehörten zu diesen Aktionen für die Geldbeschaffung.
Im sogenannten Archivbericht 1975 wird erwähnt, dass der Jodelklub nun über etwa 35 bis 40 Liederblätter und 18 vollständige Trachten verfügt. Im gleichen Protokollabschnitt 1977 sind es dann schon 50 Lieder, nun „in einer schönen Kiste“ und 19 Trachten.
Eng verbunden mit dem Jodlerklub Gommiswald war auch der lokal bekannte Kunstmaler Val Rixen. 1976 erhielt der damalige Dirigent Walter Frei zu seinem 10-jährigen Tätigkeitsjubiläum ein schönes Bild von ihm. Im gleichen Jahr gestaltete er das Plakat für das Jodlertreffen (s. unten). Auch auf dem Festprogramm zum Jodlerabend 1977 fertigte er eine Zeichnung des ganzen Jodelklubs an, auf dem die einzelnen Mitglieder einzeln zu erkennen sind. Leider ist das Original davon nicht mehr vorhanden. Val Rixen spielte selber mehrmals bei Theatern an Jodlerchränzlis mit.
Im August 1976 führte der Jodelklub Gommiswald wieder ein Jodlertreffen durch, im Rahmen vermutlich der heutigen Jodlervereinigung Zürichsee entsprechend. Der Freitag begann mit dem Auftakt aller Dorfvereine, der Samstag enthielt einen grossen Unterhaltungsabend. Am Sonntagmorgen fand ein Festgottesdienst in der Kirche unter Mitwirkung der Konstanzer Jugendkappelle statt, anschliessend ein Frühschoppenkonzert in der Festhütte. Am Sonntagnachmittag gab es einen grossen Umzug durch das Dorf mit annähernd 500 Jodlern. Höhepunkt des ganzen Festes bildeten natürlich Gruppenvorträge, wobei der Gesamtchor vom damaligen Dirigenten Walter Frei geleitet wurde.
Ein weiteres Jodlertreffen im gleichen Rahmen wurde im September 1986 durchgeführt, wiederum als grosses Dorffest, aber nur noch zweitägig. Wieder war am Sonntag das Festzelt randvoll. Ein Alpaufzug durch das Dorf war ein Publikumsmagnet. Es resultierte aber wegen des defizitären schwachen Samstages nur ein Reingewinn von Fr. 4'000.-, womit Aufwand und Ertrag nicht zueinander passten.
1977 gab es – nach 1976 – schon wieder ein Dorffest, diesmal für die Finanzierung der Bühne im Gemeindesaal des noch zu bauenden Oberstufenzentrums. Dank grossem Engagement der Dorfvereine konnte ein Gewinn von Fr. 47'000.- erwirtschaftet werden. Der Saal stand ab dem Herbst 1979 den Vereinen zur Verfügung. Der Jodelklub konnte erstmals im April 1980 sein Jodlerchränzli darin durchführen, nachdem er mehrere Jahre in den Ochsensaal in Uznach hatte ausweichen müssen. Weil noch ein Rest der Bühnenkosten nicht gedeckt war, organisierte man kurzerhand im Oktober 1981 ein weiteres Dorffest mit gleichem Zweck.
An der Hauptversammlung 1981 „sieht sich unser Verein genötigt, auf Grund verschiedener Verwechslungen zwischen den beiden Jodlerklubs in Gommiswald, sich einen klärenden Beinamen zu geben.“ Man war sich einig, dem Verein keinen sentimentalen oder kitschigen Namen zu geben: "Jodlerklub am Regulastei" Gommiswald. Der Name wurde absichtlich in Dialektform gehalten, und der Gemeindename diente nur noch der Adressierung.
1980 fand ein offenbar als ziemlich radikal empfundener Wechsel in der musikalischen Leitung des Vereins statt. Nach über 13 Jahren trat Walter Frei aus Wald ZH als Dirigent zurück. Seine besonnene, ruhige Art und Fachkompetenz hat sicher auch in oft unruhigen Zeiten der damaligen Vereinsgeschichte, auch in den Spannungssituationen mit dem JDQ Steirösli, viel zur Stabilität des Chors beigetragen. Sein Nachfolger Benno Bernet, der den Chor 9 Jahre dirigierte, wollte den Verein professioneller ausrichten und wirkte dadurch schon von Anfang an stark polarisierend. In den Protokollen finden sich viele Stellen zu Auseinandersetzungen über die Ausrichtung des Vereins. Hier einige Beispiele:
„Der Dirigent erwartet von den Vorjodlern absolute Sicherheit, wie er sie auch von professionellen Solisten erwartet.“
„Es werden fast nur noch Stocker-Lieder gesungen (denn wer isst schon gern immer die gleiche Suppe!)“
„B meint, dass man auch Lieder singen sollte, die den Mitgliedern gefallen, und nicht nur solche, die dem Dirigenten gefallen.“
„Wir singen zwar perfekt, aber mer chas nöd loose (hat nicht mehr viel mit Jodeln zu tun)“.
„…im Gesanglichen und im Dirigieren (Einstudieren) ist unser Dirigent perfekt, aber in Jodelkreisen müsste er noch Erfahrungen sammeln, und nicht so viel über anderer Jodelklubs spotten.“
„Probt endlich wieder Lieder, die wir jederzeit singen können!“
„Die Wahl des Dirigenten verlief nicht ganz ohne Diskussion.“
„Der Dirigent glaubt, dass er vielleicht vom Jodelklub zu viel verlange.“
Auch wenn die Wogen wegen Benno Bernet als Dirigent oft hoch gingen und offenbar auch Mitglieder wegen ihm den Verein verliessen, muss doch anerkannt werden, dass der Jodelklub in seiner Ära gesanglich die erfolgreichste Zeit hatte. An Jodlerfesten wurde mehrmals die Höchstnote erreicht, und für ihn war eine Note 2 eine Enttäuschung. Die Dirigententätigkeit im Jodelklub lag für Benno Bernet ausserhalb seines musikalischen Kerngeschäfts. Seine musikalische Heimat waren Männerchöre und Kirchenchöre, und er war schon früh ein herausragender Kirchenorganist. Zudem verfügte er über eine sehr schöne Stimme, die unter anderem in vielen Soloteilen von Jodelliedern hervorragend zum Tragen kam.
1985 wurde der Jodelklub am Regulastei Gommiswald 20-jährig. Im Jahresbericht des Präsidenten steht dazu u.a. folgendes: Unser Verein besteht heute 20 volle Jahre. Die wir zu meist glücklich, aber auch mit ein paar Problemen, (die zu meistern waren) in guter Erinnerung haben. Wir hatten in diesen 20 Jahren: 49 Mitglieder, 5 Dirigenten, 4 Kassierer, 5 Aktuare und 3 Präsidenten. Ich hoffe, dass wir viele weitere Jahre noch so weiter machen können, denn für Nachwuchs wird ja im Club gesorgt. Wir hatten 3 Hochzeiten, von denen wir an zweien singen durften […].“
Jodeln ist offenbar doch nicht vaterländisch genug. Der Jodelklub meldete sich frühzeitig für das Nordostschweizerische Jodlerfest vom Juni 1986 in Rorschach an. Als der Termin näher rückte, wurde festgestellt, dass an diesem Datum der Dirigent und mindestens 4 (ev. sogar 6) Sänger im Militärdienst sein würden. 5 Sänger inkl. Dirigent konnten keinen Urlaub erhalten. Die Teilnahme am Jodlerfest wurde deshalb abgesagt, und ein Auftritt am nächsten „Eidgenössischen“ fiel in der Folge auch dahin, weil der eidgenössische Jodlerverband eine ersatzweise beantragte Expertise (anstelle der geforderten Note „gut“ am Nordostschweizerische Jodlerfest) nicht bewilligte.
Anlässlich des 25-jährigen Vereinsjubiläums werden 1990 die vier noch aktiven Gründungsmitglieder Paula Bernet, Bruno Bernet, Karl Kaufmann (Gründungspräsident) und Thomas Kaufmann zu Ehrenmitgliedern ernannt. Bruno Bernet war zwei Jahre zuvor bereits zum Ehrenpräsidenten ernannt worden, nachdem er bei seinem Rücktritt auf 14 Präsidialjahre zurückblicken konnte.
Norbert Kägi als Nachfolger von Bruno Bernet rückte rasch die Frage der „Fusion“ mit dem JDQ Steirösli ins Zentrum seiner Tätigkeit. Gleich an der Hauptversammlung 1988, an der er als sehr junger Präsident gewählt wird, erkundigte er sich nach Meinung über einen Zusammenschluss: „Die ältere Generation konnte sich kaum zu einem solchen Schritt überwinden“, heisst es lakonisch im Protokoll. An einer folgenden Sitzung sprechen sich vor allem der Dirigent und der Ehrenpräsident dezidiert gegen ein Zusammengehen mit dem JDQ Steirösli aus. An einer Jodlerprobe im Jahr 1990 wurde die Frage wiederum allen Mitgliedern vorgelegt, nachdem voraus auf Initiative von Steirösli-Seite wieder Gespräche stattgefunden hatten. An dieser Probe wurde wiederum „eine Fusionierung einstimmig abgelehnt“. Ende 1993 wurde das Thema „Fusion“ vor dem Hintergrund eines Dirigentenwechsels und etwelchen Spannungen zwischen dem neuen Dirigenten und einzelnen Mitgliedern wieder aktuell. Was hier Huhn und was Ei war, ist nicht klar. Mitte März 1994 beschlossen jedenfalls die Vorstände beider Vereine, im Hinblick auf eine Vereinigung vorläufig eine Chorgemeinschaft zu bilden, aus der dann der „fusionierte“ neue Verein entstehen sollte. Dabei ging der Vorstand des Jodelklub am Regulastei davon aus, dass 9 Sänger und der Dirigent bleiben würden. Von Steirösli-Seite rechnete man mit 2 Jodlerinnen und 5 Sängern. Ende März 1994 musste dann der Vorstand des Jodelklub am Regulastei die Austrittsmitteilungen von 13 Mitgliedern zur Kenntnis nehmen, die an der Hauptversammlung von Ende April 1994 auch vollzogen wurden. Das an dieser Versammlung vorgelegte Jahresprogramm enthält denn auch nur noch zwei Punkte: „…ist nur die Jodlermesse vom 14. August auf der Alp Regulastei und irgendwann die Auflösung des Jodelklubs am Regulastei und eine Neugründung vorgesehen.“ Die Auflösungsversammlung fand dann am 15. Juli 1994 statt. Die „Fusions-„NeugründungsÂversammlung wurde von den Vorständen beider Vereine gemeinsam auf den 16. Juli 1994 einberufen und durchgeführt.
Nachdem die Mitglieder beider Vorgängervereine je das Vermögen durch eine Schlussreise ausnivelliert hatten, startete der „fusionierte“ Verein mit einem Vereinsvermögen von rund 6'000 Franken, was angesichts der festen Kosten ziemlich knapp war. Es konnten aber danach innert weniger Jahre genügend Reserven aufgestockt werden. Der neue Vereinsname hiess von nun an wieder „Jodelklub Gommiswald“.
Der neu zusammengesetzte Verein übernahm die erst fünfjährige Tracht des JDQ Steirösli. Offenbar gab es aber auch Anstrengungen zur Beschaffung einer neuen Tracht. Jedenfalls wird im Protokoll der Hauptversammlung 1996 erwähnt, dass eventuell im Herbst eine Trachtenweihe auf dem Programm stehen könnte. Weiter wird im Protokoll der Hauptversammlung 1997 festgehalten, dass der Jodelklub Gommiswald den Steirösli-Fond erhält, wenn der die alte (Steirösli-)Tracht trägt. Damit entschied man sich für diese Tracht. Wie allerdings formal drei Jahre nach der Vereinsauflösung noch in dieser Art über den Steirösli-Fond verfügt werden konnte, wird nicht dargelegt. Wenn halt alle Beteiligten einverstanden und zufrieden sind, stellen sich solche Fragen nicht.
2005 wurden die beiden neuen Jodlerinnen mit neuen Trachten eingekleidet. Diese stilvollen offiziellen „Festtagstrachten vom oberen Seebezirk“ sind immer noch im Einsatz.
1997 wurde erstmals das Jodlerchränzli statt an zwei Wochenend-Samstagen auf ein Wochenende mit Samstags- und Sonntagsaufführung gelegt und seither so beibehalten.
Die Jahre nach der Zusammenlegung der beiden Vereine waren nicht einfach. Die ehemaligen Konkurrenten mussten sich eine neue Kultur im Umgang miteinander aufbauen, die Mitgliederzahl war zeitweise sehr knapp, und die Dirigentinnen/Dirigenten wechselten häufiger als früher. Im Jahr 2002 musste sogar das Jodlerchränzli fallengelassen werden, weil einerseits die einzelnen Stimmen ungenügend besetzt waren und anderseits der damalige neu eingestellte Dirigent offensichtlich nicht über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügte. Auch das Chränzli 2005 stand eine Zeitlang wegen ungenügender Stimmenbasis auf der Kippe, wurde dann aber doch nach dem aushilfsweisen Einsatz von Fredy Brändli in der Vorbereitung mit der neuen Dirigentin Kathrin Zürcher erfolgreich durchgeführt. Mit dem Arbeitsbeginn von Kathrin Zürcher endete eine mehrjährige unruhige Zeit bei der Chorleitung, die keine zeitliche Kontinuität mehr hatte. Die Dirigentensuche bei den früheren Wechseln gestaltete sich jeweils äusserst schwierig. Auch wenn der „Glücksfall Kathrin Zürcher“ nur vier Jahre dauerte, folgte immerhin auf sie der „Glücksfall Mary Zahner“, die seit Anfang 2009 mit grossem Engagement den Chor leitet.
10 Jahre nach dem Zusammenschluss waren von den Mitgliedern aus der Neugründung noch deren 9 im Verein. Aus der ersten Gründung im Jahr 1965 waren deren zwei, die unterdessen beide verstorben sind. Dieses zehnte Jahr (2004) war aber vor allem sehr turbulent. Zuerst gab es Knatsch um die die Dirigentin, die dann nach 4 Jahren Tätigkeit den Klub verliess, und wenig später verabschiedeten sich auch die beiden Jodlerinnen. Es war damals ein Glücksfall, dass für die Jodlerinnen sehr schnell Nachfolgerinnen gefunden werden konnten: Es waren die Geschwister Edith Schmucki-Keller und Irmi Marti-Keller, die heute noch dem Chor zum Jodeln verhelfen.
Seit 20XX unterhält der Jodelklub Gommiswald (neben dem kurzen Eintrag auf der Gemeindehomepage) eine eigene Homepage unter www.jodelklub-gommiswald.ch.
An den Hauptversammlungen von März 2013 und 2014 wurden die Weichen für die Feierlichkeiten zum 50-Jahre-Jubiläum von 2015 gestellt. Eine Organisation des Jodlertreffens der Jodlervereinigung Zürichsee wurde ins Auge gefasst, dann aber wieder verworfen. Man entscheidet sich dafür, das Jodlerchränzli von einem auf zwei Wochenende mit insgesamt drei Vorstellungen auszuweiten und diese etwas spezieller zu gestalten, u.a. mit Einbezug auswärtiger Programmbeiträge, aber ohne Theater. So wird zusätzlich zum Standardprogrammwochenende vom 7./8. Märze 2014 auch am Samstag, 14. März ein Jodlerabend durchgeführt. Die Einzelheiten dazu mit den jeweils vorgesehenen auswärtigen Programmbeiträgen sind im Detailprogramm ersichtlich (siehe … in dieser Broschüre).
Beim Vergleich der Protokolle seit etwa 2005 mit jenen aus früheren Jahren zeigt sich, dass der Verein sich heute in viel ruhigeren Fahrwassern bewegt als früher. Dazu hat sicher die Konstanz beim Vorstand, beim Dirigentenposten und bei den Jodlerinnen wesentlich beigetragen. Letztlich aber trägt dazu jedes einzelne Vereinsmitglied bei, indem es beim „Kerngeschäft Singen“ bemüht ist, einen möglichst guten Beitrag zur Chorharmonie zu bringen, bei den anfallenden Arbeiten zügig anpackt und auch mal eine Fünf gerade sein lässt. Nicht zuletzt aber sind es die vielen frohen und gemütlichen Stunden ausserhalb der Arbeiten, die dem Verein den Zusammenhalt und den einzelnen Mitgliedern die nötige Motivation geben.
Zeit mit zwei Jodelchören: 25 Jahre Jodeldoppelquartett Steirösli
Bei der Gründung und über 20 Jahre im Vereinsleben des JDQ Steirösli spielte Niklaus Jud die wichtigste Rolle. Wie weiter vorn geschildert, war er von Ende 1965 bis Frühjahr 1967 Dirigent des Jodelklub Gommiswald. Er führte ihn bis zu dessen erstem Jodlerchränzli vom Frühjahr 1967 im Treubund Gommiswald, trat dann zurück und anschliessend aus dem Jodelklub Gommiswald aus, weil er (gemäss Hauptversammlungsprotokoll) nicht das nötige Vertrauen des Präsidenten zu haben glaubte.
Niklaus Jud war Gründungsmitglied des Jodelkoppelquartetts (JDQ) Steirösli im Jahr 1969, ebenfalls die vier Sänger, die im Herbst 1967 aus dem Jodelklub Gommiswald ausgetreten waren. Aus dem kurzen Rückblick anlässlich des 20-Jahrjubiläums ergibt sich, dass an der Gründung vom 15. Mai 1969 acht Mitglieder beteiligt waren. Niklaus Jud war von der Gründung bis Dezember 1990 Dirigent des JDQ Steirösli. In dieser Zeit war er gut 10 Jahre auch Präsident und prägte so das Vereinsleben wie kein zweiter. 1984 wollte er offenbar ernsthaft die Chorleitung aufgeben, der Vorstand konnte ihn aber offenbar zum Bleiben überzeugen.
Der Name „Jodeldoppelquartett“ entsprach nur zu Gründerzeit der Mitliederzahl; diese war soweit ersichtlich später immer höher. So werden z.B. 1978 14, 1982 17 und 1986 20 Mitglieder aufgeführt.
Die personelle Konstellation bei der Gründung des JDQ Steirösli ergab von Anfang an ein gespanntes Verhältnis zwischen den zwei Jodelvereinen. Der Jodelklub Gommiswald konnte offenbar auch eine Zeitlang verhindern, dass das JDQ Steirösli in den Nordostschweizer Jodlerverband aufgenommen wurde. Diese Aufnahme erfolgte dann im Februar 1974. Die Spannungen waren aber damit nicht weg. Einige Jahre heisst es denn auch in einem Protokoll des Jodelklub am Regulastei: „X erwähnt, dass [5 Mitglieder] Starallüren haben. Er sagt auch, das ewige Spotten über das Doppelquartett Steirösli solle endlich aufhören.“
Über das Vereinsleben des JDQ Steirösli in den ersten Jahren ist wenig dokumentiert. Aus den Unterlagen des Jodelklub Gommiswald von 1973 gehen Bemühungen zu einem Zusammenschluss mit dem JDQ Steirösli hervor: „In Bezug auf einen möglichen Zusammenschluss zwischen dem ‚Jodeldoppelquartett Steirösli’ und dem ‚Jodelklub Gommiswald’ liessen wir die Generalversammlung von 1973 fallen. Dafür einigten wir uns mit dem Doppelquartett für eine gegenseitige Ausspracheversammlung, welche am 8. November 1972 stattgefunden hat. Der Gedankenaustausch führte leider bis heute [März 1973] noch zu keinem Erfolg.“ Interessant ist immerhin eine Art Friedensabkommen von Anfang 1975 zwischen dem Jodelklub Gommiswald und dem JDQ Steirösli. In dieser schriftlichen Vereinbarung verpflichten sich die beiden Vereine, einander gegenseitig keine Aktiv- und Passivmitglieder abzuwerben. Auch sollten die Unterhaltungsabende koordiniert angesetzt werden. Offenbar bestand bei einigen Leuten in beiden Vereinen trotz allem die Option, in absehbarer Zeit wieder gemeinsame Wege zu gehen: Vor einem eventuellen Zusammenschluss der beiden Vereine sollte – immer noch gemäss Abkommen von 1975 – der Name des zukünftigen Vereins von beiden Seiten bestimmt werden.
In den Akten des JDQ Steirösli befindet sich ein Schreiben vom Juli 1978 des Jodelklub Gommiswald an das JDQ Steirösli, in dem der Jodelklub Gommiswald vorschlägt, in einer Chorgemeinschaft aus Männerchor Gommiswald, JDQ Steirösli und Jodelklub Gommiswald die Jodlermesse von Jost Marty gemeinsam einzustudieren. Die Chorleitung wäre dem späteren Dirigenten des Jodelklub Gommiswald, Benno Bernet zugeordnet worden, während der damalige Dirigent Walter Frei den Jodelteil einstudiert hätte. Der genaue Verlauf des vorgeschlagenen Projekts ist aus den Akten nicht ersichtlich. Aus dem Protokoll der Jahresversammlung des Jodelklub Gommiswald geht aber hervor, dass zwar nicht die vorgeschlagene Jodlermesse von Jost Marty, dafür aber diejenige von Heinz Willisegger („dieses meisterhafte Werk“) im Jahr 1979 in den Kirchen Gommiswald und Rieden aufgeführt wurde, und zwar von der Chorgemeinschaft aus Männerchor Gommiswald, JDQ Steirösli und Jodelklub am Regulastei. In wieweit die Chorleitung damals schon mindestens teilweise beim späteren Dirigenten Benno Bernet gestanden hatte oder ob sie vom damaligen Walter Frei lag, ist heute nicht mehr ersichtlich. Auch wenn die konkreten Angaben dazu fehlen, ist davon auszugehen, dass die Chorgemeinschaft dieser drei Vereine nur von kurzer Dauer war. Einerseits führte offensichtlich das JDQ Steirösli allein weiterhin diese Jodlermesse auf, während die Chorgemeinschaft aus Jodelklub am Regulastei und Männerchor zwar die bisherige Jodlermesse von Heinz Willisegger noch gelegentlich zumindest in Teilen sang, während sie sich aber schon 1982 neu auf die sehr anspruchsvolle Jodlermesse von Fred Stocker konzentrierte. Dort war vermutlich zeitweise auch der Kirchenchor Gommiswald beteiligt. Das JDQ Steirösli seinerseits studierte 1988 eine weitere Jodlermesse ein; aus den Unterlagen ist aber nicht ersichtlich, welche es war.
Bekannt ist, dass 1978 eine Tracht beschafft wurde, die anlässlich eines Unterhaltungsabends eingeweiht wurde; sie wurde dann in der Folge nach nur 13 Jahren ersetzt. 1982 wurde ein Trachtenfond eingerichtet, in den Mittel für Trachten für neu eintretende Mitglieder sowie Preise/Auszeichnungen eingelegt werden sollten. Die Anschaffung der neuen Tracht im Jahr 1989 kostete Fr. 23'000.- oder knapp Fr. 1'200.- pro Stück. Diese Tracht wird immer noch vom heutigen Jodelklub Gommiswald getragen, ist mithin auch schon in die Jahre gekommen.
Im Jahresbericht 1978 erwähnte der Präsident und gleichzeitig Dirigent den ersten Besuch eines eidgenössischen Jodlerfestes, damals in Schwyz. Er zeigte sich von der Rangierung enttäuscht. Welche Note erreicht wurde, wird nicht erwähnt. Aus dem Jodlerfestbesuch in Schwyz kann geschlossen werden, dass auch eine Teilnahme am Nordostschweizer Jodlerfest von 1977 in Glarus mit mindestens einer Qualifikation „gut“ erfolgt sein muss. Dies ergibt sich auch wieder aus dem Rückblick anlässlich des 20-Jahrejubiläums, und auch dass 1982 in Appenzell und 1986 in Rorschach zwei weitere Nordostschweizer Jodlerfeste besucht wurden. In Rorschach erfolgte auch eine Teilnahme am Umzug mit der alten Rickenpostkutsche aus Uznach. Die Kutsche inklusive Transport sowie Pferden und Kutschern verursachte Kosten von über Fr. 1'500.-.
1979 übernahm Alois Gadient von Niklaus Jud den Präsidentenposten und behielt ihn bis 1988, als er von Hermann Steiner abgelöst wurde. Auf Hermann Steiner folgte im Frühling 1992 Kari Roos als letzter Präsident. Er trat ein schwieriges Erbe an, nachdem Ende 1990 der langjährige Dirigent Niklaus Jud unter Nebengeräuschen sowie vor ihm und nach ihm mehrere Sänger aus dem Verein ausgetreten waren. Ab 1991 bis zur Auflösung des Vereins dirigierte Kurt Flück das JDQ Steirösli. Er setzte sich zu Beginn drei Ziele: Wieder ein Unterhaltungsabend beim Jahreswechsel 1991/92, nachdem dieser im Vorjahr abgesagt werden musste, sowie die Teilnahme am Nordostschweizerischen Jodlerfest 1992 in Glarus und eventuell am Eidgenössischen 1993 in Sarnen. Das erste Ziel wurde erreicht, zu den angestrebten Jodlerfestteilnahmen kam es nicht mehr.
Kari Roos oblag dann auch die schwierige Aufgabe, aus der Warte des JDQ Steirösli mit dem Jodelklub Gommiswald eine gemeinsame Zukunft zu finden. Ein erster Schritt in diese Richtung war sicher im Juni 1993 der gemeinsame Auftritt des JDQ Steirösli mit dem Jodelklub am Regulastei am kantonalen Schwingfest in Gommiswald. Wenn der Präsident des JDQ Steirösli dazu im Jahresbericht sagte, dieser Auftritt sei schon fast historisch und seines Wissens der erste gemeinsame Auftritt, so hatte er sicher bei letzterem die gemeinsamen Jodlermesseauftritte von 1979 übersehen.
Das JDQ Steirösli war eine reisefreudige Gesellschaft. Aus dem Reisebericht von 1979 ergibt sich, dass bereits vorher drei Vereinsreisen stattgefunden hatten, und danach folgten in regelmässigen Abständen noch weitere, meist zweitägige Ausflüge. Die aus Reiseberichten bekannten Reisen führten ins Wallis, über das Lechtal ins Allgäu, ans Winzerfest in Hallau, ins Südtirol, in das Berner Seeland und Oberland, in die Innerschweiz, in den Schwarzwald und schliesslich als Schlussreise im Sommer 1994 noch ins Zillertal.
Repertoire, Jodlermessen
Es kann nicht mehr im Detail festgestellt werden, welche Lieder insgesamt im Repertoire des Jodelklub Gommiswald figurierten. Anhand verschiedener Angaben und der noch vorhandenen Liederblätter kann aber davon ausgegangen werden, dass in der Vereinsgeschichte über hundert Lieder einstudiert wurden. Darin enthalten sind auch die Lieder „Am Regulastei“, „s Wieder Werde“ und „no einisch z’Berg“, zu denen der Gründungspräsident Karl Kaufmann die Texte schrieb und Fred Stocker bzw. Peter Roth die Melodien komponierten.
Herausstechend sind die Jodlermessen, weil vor allem eine davon sehr oft aufgeführt wurde. Unter der Leitung von Dirigent Benno Bernet wurde eine Chorgemeinschaft aus dem Männerchor Gommiswald und dem Jodelklub Regulastei Gommiswald gebildet. Einstudiert wurde die eher schwierige Jodlermesse von Fred Stocker. Diese wurde über Jahre unzählige Male in Gommiswald und Umgebung aufgeführt, auch weit ausserhalb der Region. So wurde sie z.B. in Wilderswil BE, in Genf oder sogar im österreichischen Grosswalsertal aufgeführt.
Sehr oft wurden auch Hochzeiten mit der Jodlermesse umrahmt.
Auszüge aus dem allgemeinen Repertoire wurden aber auch sonst, kombiniert mit Jodlerreisen, fern der Heimat vortragen. So gab es 1980 einen Auftritt an der 1.Augustfeier mit der Schweizer Botschaft in Kopenhagen oder 1986 eine Vorstellung anlässlich eines Bazars im deutschen Mannheim, dort sogar kombiniert mit einem Alpaufzug
Welche Lieder im Repertoire sein können, hängt immer auch von der aktuellen Stimmenzusammensetzung ab. Der Jodelklub am Regulastei hatte über Jahre sehr gute tragende Solostimmen. Wenn solche fehlen, fallen automatisch viele Lieder mit Soloteilen ausser Betracht.
Reisen
Jodlerreisen waren auch beim Jodelklub (am Regulastei) Gommiswald sehr beliebt. Allerdings entwickelte sich diese Leidenschaft erst im zweiten Jahrzehnt des Vereinslebens. Anfangs 1969 wurde eine Reisekasse eingerichtet, an der die einzelnen Mitglieder in der Höhe ihrer Einzahlungen berechtigt waren. Diese wurden als Richtwert auf minimal Fr. 2.- pro Monat festgelegt, aber schon im kommenden Jahr auf Fr. 10.- pro Jahr reduziert. Offenbar hielten sich die Mitglieder aber nicht an diese Regelungen; 1975 heisst es, dass die Einzahlungen „zum Teil sehr mager“ seien. Obligatorische Einzahlungen wurden aber abgelehnt. Die Reisekasse war ein Dauerthema an den Versammlungen der kommenden Jahre. 1976 wurde an einer Jodlerprobe (!) die Reisekasse mit ihrer Vermögensaufteilung auf die einzelnen Mitglieder aufgehoben und durch einen Reisefond ersetzt. Er wurde in der Folge aus einem Fünftel von sämtlichen Nettoeinnahmen, ausgenommen Passivbeiträge, finanziert. 1990 bis 1994 gab es wieder ein personenbezogenes System, danach wieder eine in Vereinsvermögen gehörende Reisekasse, welche dann 2005 – bisher „endgültig“ – abgeschafft wurde.
Weil die Jahresberichte der Präsidenten nur sehr knapp und allgemein protokolliert sind und es erst 1975 erstmals ein Traktandum „Jahresprogramm“ gab, ist über allfällige, vermutlich kleinere Reisen nichts bekannt ausser einer Familienwanderung über die Gommiswalder Alpen. Auch für die späteren grossen Reisen fehlen die meisten Reiseberichte, die vermutlich das Schicksal mit den Vorstandprotokollen bis 1981 und den alten Jahresrechnungen teilen: Verschollen.
Der erste in den Akten erwähnte grosse Ausflug ist 1975 der im ersten Abschnitt beschriebene zweitägige Jodlerausflug nach Täsch. 1976 bis 1978 folgten dann eine zweitägige und zwei eintägige Bergwanderungen in der Ostschweiz, erstere wegen schlechten Wetters eher in der Variante „Bergbeizfeiern“. 1979 ging es dann erstmals für drei Tage ins Ausland, nach Salzburg. Den grössten Ausflug in der Vereinsgeschichte bildete 1980 die 4-tägige Reise nach Kopenhagen.
Fast im Übermut wurde anschliessend ein Projekt Russlandreise ins Auge gefasst, das dann aber nicht weiterverfolgt wurde. Zum 20-jährigen Jubiläum wurde eine Reise in die USA längere Zeit als Ziel verfolgt, wobei für diese auch eine Chorgemeinschaft mit dem Männerchor und dem Kirchenchor geprüft wurde. Die zu tragendem Kosten, aufzuteilen zwischen Teilnehmern und Vereinskassen, waren mit ca. Fr. 2'600.- pro Person veranschlagt. Die Idee und die notwendigen USA-Kontakte dazu kamen von der Musik-Mäzenin Kitty Weinberger aus Rieden. Das Projekt wurde schliesslich nicht realisiert, die genauen Gründe sind aus den Akten nicht ersichtlich.
Nach dem Abstecher nach Kopenhagen fanden regelmässig zwei oder dreitägige Jodlerreisen im Inland oder auch ins nähere Ausland statt, so z.B. ins Berner Oberland mit Jungfraujoch, nach Unterwalden, ins Entlebuch, ins Greyerzerland, in den Jura, ins Tirol, in das deutsche Rheinland, ins Südtirol und in die unter dem Abschnitt „Repertoire, Jodlermessen“ erwähnten speziellen Auftrittsorte. Die Versammlungsprotokolle 1995 bis 2000 und darin die Jahresberichte wurden sehr allgemein gehalten, womit nicht klar ist, welche Reisen 1995 bis 1999 stattfanden. Die letzte Reise führte 2013 zwei Tage in die Region Rheintal-Werdenberg-Vorarlberg. Die nächste folgt bestimmt, voraussichtlich ins Berner Oberland.
Jodlerfeste
Das Bild der Jodlerfestteilnahmen widerspiegelt auf eine Art die Konstanz eines Chors. Der Jodelklub Gommiswald nahm in seiner Vereinsgeschichte an 21 offiziellen Verbands- Jodlerfesten mit professioneller Vortragsbewertung teil. Davon waren immerhin 8 „Eidgenössische“. Es wurde an mehreren Festen die Höchstnote geholt, und nur einmal erfolgte ein Absturz, bei dem die Bewertung unterhalb der Note „gut“ lag.
Der Jodelklub (am Regulastei) Gommiswald nahm an folgenden Jodlerfesten teil (zu den Teilnahmen des JDQ Steirösli siehe weiter vorn):
1970 Amriswil NO1
1974 Schaffhausen NO
1977 Glarus NO
1978 Schwyz E2
1982 Appenzell NO
1984 St. Gallen E
1986 Rorschach NO
1989 Rapperswil NO
1990 Solothurn E
1991 Sarnen E
1992 Glarus NO
1998 Chur NO
1999 Frauenfeld E
2004 Bülach NO
2006 Einsiedeln NO
2007 St. Moritz NO
2008 Luzern E
2010 Schaffhausen NO
2011 Interlaken E
2012 Lachen ZS3
2013 Wattwil NO
2014 Davos E
2016 Gossau SG NO
2017 Brig E
2019 Winterthur-Wülf NO
2022 Appenzell NO
2023 Zug E
2025 Altstätten NO
2026 Basel E
1 NO = Nordostschweizerisches Jodlerfest
2 E = Eidgenössisches Jodlerfest
3 ZW = Zentralschweizerisches Jodlerfest
Bei Jodlerfesten ist zwar die gute Bewertung ein sehr wichtiges Ziel aller aktiven Teilnehmer. Das „Erlebnis Jodlerfest“ besteht aber ebenso sehr aus der einmaligen Ambiance dieser Feste auf den Strassen und den speziellen Festbeizen der jeweiligen Festorte, sowohl abends bis tief in die Nacht oder bis zum Morgen, als auch an den jeweils sehr aufwändigen Umzügen am Sonntagnachmittag. Ein solches Erlebnis hat schon manchen Jodelmuffel zum Jodel- oder mindestens Jodelfest-Geniesser werden lassen.
Ehrungen
* Nach 25 Jahren Zugehörigkeit in einem Jodelklub ernennt der Nordostschweizerische Jodlerverband eine Jodlerin oder einen Jodler zum Veteranen. In den Reihen des heutigen Jodelklub stehen vier auf diese Art geehrte Mitglieder: Germain Spielmann 2026, Josef Bachmann (1999), Karl Roos (2008), Ueli Raymann (2012) und Fredi Wissmann (2012).
Beruflich sind die Mitglieder sehr breit zusammengesetzt: Die Bereiche Pensionäre, Landwirtschaft, Milchverarbeitung, Handwerk/Dienstleistungen, Pflege, Gastronomie und Büro sind vertreten.
Der Vorstand besteht gemäss Statuten (Gültig ab 27 Februar 2019) aus 5 Mitgliedern, welche an regelmässigen Vorstandsitzungen teilnehmen und den Jodelklub kompetent führen. Das oberste Organ ist die Generalversammlung (GV).
Der Jodelklub ist Mitglied vom
• Eidgenössischen Jodlerverband (EJV)
• Nordostschweizerischen Jodlerverband (NOSJV)
• Saalverein Gommiswald
Reminiszenzen
Protokolle sind immer auch Fundgruben zu Ereignissen oder Formulierungen, die zum Schmunzeln anregen. Einige davon sollen hier - soweit sinnvoll anonymisiert - aufgeführt werden. Bei den kursiv geschriebenen Texten handelt es sich um Zitate aus den Protokollen.
Anforderungen an einen Amtsinhaber
„Da während des letzten Jahres kein Gesangblatt und keine Tracht verloren ging, verbleibt auch unser Archivar weiterhin in seinem Amt.“
Keine Abzokker
In den Siebziger Jahren wurde der Dirigent offensichtlich im Monatslohn entschädigt. Sein Salär wurde an der HV 1972 von Fr. 100.- auf Fr. 130.- erhöht, was etwa Fr. 30.- pro Probe ergibt, inkl. Fahrt von Wald ZH und zurück.
Absenzgrund
„Der Präsident entschuldigt FK, KK und MK, MK in (Klammer beim Schatz)“
Bürokratie?
Für die erste ordentliche Hauptversammlung 1966 gab es vermutlich noch keine Traktandenliste. Die Traktandenliste für die HV 1967 enthielt nur 5 Traktanden, 1975 waren es schon deren 13.
Brav so!
„Die Traktandenliste wird ohne Reklamieren sofort genehmigt.“
Fein oder grob?
Der Dirigent erhielt zu seinem 10-Jahresjubiläum ein schönes Bild, „gemalen von Kunstmaler Val Rixen“.
Virtuelles Protokoll
„Da das Protokoll der HV 1993 an der GV leider nicht auffindbar war, gab sich die Versammlung mit der Genehmigung des HV Protokoll 1993 des gesamten Vorstandes an der Sitzung vom 30. März zufrieden.“ [dieses Protokoll ist bis heute verschollen…].
Kleider machen Leute
„Anlässlich der heutigen Jodlerprobe wird vom Verein beschlossen, dass in Zukunft jeder Jodler seine Jodlerhosen selber besorgt und berappt. Schnitt und Stoff muss einheitlich sein.“
Motto Lebensfreude
Motto zum Jahresbericht des Präsidenten: „Wirke froh und ungebunden, nütze deine Lebensfrist, denn wie schön sind all die Stunden, wenn man unter Jodlern ist.“ Ein späteres Motto lautet dann: "Mir jodlet wil mir Freud dra händ, und üsi Freud gern wyter gend.“
Tierisch
„X erklärt, er habe den Eindruck, die Meinung der Vereinsmitglieder komme in unserem Verein viel zu wenig zum Zuge und die Information spiele zu wenig gut, so dass es nicht verwunderlich sei , dass in gewissen Teilen ab und zu etwas eine Sauerei herrsche. Der Präsident setzt sich gegen diesen Ausdruck vehement zur Wehr und betont, dass ihn keine Schuld treffe, wenn die Mitglieder sich auf seine Ausführungen nicht konzentrierten.“
Nicht so tierisch
Aus der Planung einer Jodlerreise: „Der Dirigent kommt mit der ganzen Familie mit (ausgeschlossen Haustiere).“
Besinnlich
„In eindrücklicher Weise bringt uns der Präsident das Schöne, Gute, Bodenständige und Heimatverbundene, welches das Jodellied in sich birgt, zum Ausdruck. Ich möchte nur beifügen: ‚Wer singt und jodelt so munter und so keck, der hat das Herz bestimmt am rechten Fleck’ “.
Wirksame Schelte
„Mit der obligatorischen Verspätung kann unser Präsident die heutige Versammlung eröffnen.“ [die Bemerkung führte offenbar zur Besserung in einem folgenden Jahr…] „Pünktlich um 20.15 begrüsste der Präsdient die anwesenden Jodlerinnen und Jodler.“
Kompliment in der Steigerungsform
„B bedankt sich für die Tiptopesupermustergültige (wörtlich) Abrechnung“
Keine Entlassung, aber Langeweile
„Der Austritt des Aktuars wird abgelehnt und in Pausieren von 1 – maximum 2 – Jahre umgewandelt (Vereinsbeschluss!) […] Auf Grund einer langweiligen Rede von K, die das Pausieren des Aktuars beinhaltete, konnte der Präsident die HV erst um 23.20 schliessen.“
Schon Napoleon wurde verbannt…
„Der Schreibende gibt den Rücktritt aus dem Vorstand […] Schon vor der Wahl hatte ich gesagt, dass ich das Amt des Aktuars nicht übernehme und trotzdem wurde ich dazu verbannt.“
Sparschweine
Der Vorstand beschliesst, dass der Jodelklub selber drei bis vier Schweine kauft und sie bei der Metzgerei Gmür metzgen und verpacken lässt. Man könnte so ca. 1000.- Fr. einsparen.
Ohne zu heiraten…
„Unser Dirigent gibt uns das Jawort, in seinem Amt zu bleiben».
Eingefangen
Vorstandswahl: „Nach ablehnenden Haltungen von T, U und F manövriert sich schliesslich J in eine Lage, aus der es kein Entrinnen mehr gibt. Einstimmig wird er von der Versammlung gewählt.
